Forschung

Als universitäre Ausbildungseinrichtung ist uns die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein zentrales Anliegen. Wir regen unsere Studierenden deshalb an, sowohl im Rahmen eigener Forschungsvorhaben als auch durch die Teilnahme an unseren laufenden Forschungsprojekten praktische Erfahrungen in der angewandten Psychotherapieforschung zu sammeln.

Informationen zu aktuellen Forschungsprojekten finden Sie auf der Seite der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie des Erwachsenenalters der Universität Koblenz-Landau.

Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses gehört zu unserem Auftrag: Wir geben Ihnen Starthilfe.

Promotionsstipendien

Wir unterstützen die wissenschaftliche Weiterqualifizierung unserer Studierenden im Bereich der Psychotherapieforschung mit flexiblen Fördermodellen. Unser Ziel ist es inbesondere, wissenschaftlich interessierten Studierenden die Promotion parallel zur postgradualen Ausbildung zu ermöglichen. Bitte sprechen Sie uns diesbezüglich an.

Promotionsprojekte

Promotionsprojekt "Autofahrangst – ein weit verbreitetes und bisher wenig untersuchtes Phänomen"

Carolin Fischer

Die Diagnostik und Therapie von Autofahrängsten ist ein bisher wenig systematisch untersuchtes Konstrukt, obwohl die Lebenszeitprävalenz auf 1.1 % geschätzt wird. Somit kann die Autofahrphobie zu einer der häufigsten situativen spezifischen Phobien gezählt werden.

Die Autofahrangst wird charakterisiert durch eine intensive Angst vor dem Fahren eines Autos, welche bei der Vorstellung Auto zu fahren oder während des tatsächlichen Fahrens erlebt wird. Betroffene fürchten, die Kontrolle über das Auto zu verlieren, unangenehme Angstsymptome zu spüren, sich vor anderen Verkehrsteilnehmern zu blamieren oder sich und andere durch Unfälle zu verletzen oder gar zu töten. Autofahrängste stellen somit für Betroffene eine große Beeinträchtigung im Alltag dar.

Im Forschungsprojekt zum Thema Autofahrangst soll folgenden Fragen nachgegangen werden:

  1. Wie weit verbreitet sind Autofahrängste sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch in der Subgruppe der Fahranfänger in Fahrschulen?
  2. Welchen Einfluss hat die Nutzung eines Fahrsimulators auf autofahrbezogene Angstkognitionen?
  3. Wie reliabel und valide ist ein erarbeitetes Screening-Instrument zur Diagnostik einer spezifischen Autofahrphobie?
  4. Wie gut ist die Durchführbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit eines vorgeschlagenen Behandlungsmoduls zur Therapie von Autofahrängsten

Patienteninformationen und Hinweise zur Kontaktaufnahme finden Sie im Bereich "Behandlungsschwerpunkte".

Promotionsprojekt zu Ärger und Selbstmitgefühl im Kontext akuter und chronischer Schmerzen

Anja Carina Emmerich

Chronische Schmerzerkrankungen bedeuten neben physiologischen Schmerzerleben und damit einhergehenden Beeinträchtigungen auch ein großes Ausmaß an psychischer Belastung und Stress. Häufig entstehen starke belastende Emotionen wie Depression, Scham und Ärger. Wissenschaftliche Belege zeigen eine hohe Relevanz des Konstruktes Selbstmitgefühl im Kontext dieser Emotionen. Selbstmitgefühl umfasst die drei Komponenten „Selbstbezogene Freundlichkeit“, „Verbindende Humanität“ und „Achtsamkeit“. Aktuelle Forschung zeigt vielversprechende, jedoch bisher nur eingeschränkte Hinweise auf die Relevanz von Selbstmitgefühl für die Behandlung chronischer Schmerzen. So ist Selbstmitgefühl assoziiert mit besserer Schmerzbewältigung, Schmerzakzeptanz und höherer Lebensqualität, wie auch reduzierter Beeinträchtigung und weniger belastenden Emotionen.

Im Rahmen des Promotionsprojektes soll Selbstmitgefühl im Kontext chronischer Schmerzen klar definiert sowie von verwandten Konstrukten wie Psychologische Flexibilität und Selbstwert abgegrenzt werden. Dies erfolgt mithilfe einer längsschnittlichen Online-Befragung von Menschen mit und ohne chronische Schmerzen. Des Weiteren wird eine Selbstmitgefühls-Intervention in ihrer Wirksamkeit auf akuten Schmerz experimentell überprüft. Die spezifische Rolle von Ärger wird eingehender erfasst und eine spezifische Gruppentherapie für die Bewältigung von Ärger bei Schmerz mithilfe von Selbstmitgefühl entwickelt.

Promotionsprojekt im Rahmen der Studie "ENCERT – Enriching Cognitive-Behavioral Therapy with Emotion Regulation Training"

Katharina Senger

Das Leiden unter anhaltenden oder häufig wiederkehrenden körperliche Beschwerden, die nicht (oder nicht ausreichend) durch eine organische Ursache erklärt werden können, ist Kernmerkmal der sog. somatoformen Störungen. Auf Grund eines hohen Leidensdrucks und Funktionseinschränkungen im Alltag, gehen Betroffene dabei meist auf eine lange Suche nach der „richtigen Diagnose“. Bevor sie sich in Psychotherapeutische Behandlung begeben, ist der erste Weg häufig zu Haus- und Fachärzten – in der Hoffnung Hilfe und eine Behandlung zu erhalten, die ihre Beschwerden mildern.
Obwohl sich in der Behandlung persistierender körperlicher Beschwerden die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als effektiv erwiesen hat und derzeit als Methode der ersten Wahl gilt, liegen die Effektstärken lediglich im mittleren Bereich. Neben einer Patientengruppe, die von Psychotherapie deutlich profitiert (50-75%), gibt es auch einen beachtlichen Anteil von Betroffenen, die von keiner Besserung berichten (10-30%). Es besteht also dringender Bedarf die Behandlung von anhaltenden körperlichen Beschwerden zu verbessern.
Hierzu führten wir am WiPP (neben sieben weiteren Standorten in Deutschland) eine kontrollierte, randomisierte Studie durch, die einen Vergleich macht zwischen der bereits bewährten kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) mit einer neuen Therapieform (ENCERT), die durch Techniken zur Regulation negativer Emotionen die KVT erweitert.

In meiner Dissertation befasse ich mich auf Grundlage der erhobenen Daten spezifisch mit Folgendem:

  1. Um Behandlungen optimieren zu können, ist es wichtig, in einem ersten Schritt das Symptombild der persistierenden körperlichen Beschwerden besser zu verstehen. Hierzu wird der in der klinischen Psychologie neue Ansatz der Netzwerkanalysen genutzt.
  2. Daneben befasse ich mich mit Faktoren, die sich auf das Therapieergebnis auswirken. D.h. konkret wird zum einen geprüft, welche Patientencharakteristika (wie z.B. Alter, Symptomausprägung oder Dauer der Beschwerden) einen Einfluss auf den Behandlungsverlauf haben. Zum anderen erfolgt die Berechnung eines Personalized Advantage Index (PAI, DeRubeis et al. 2014) der durch Beachtung der Prädiktoren eine vorhersage machen kann, welches die „optimale Behandlung“ für eine individuelle Person ist.
  3. Zuletzt werden Veränderungsmustern in der Symptomatik und der Zusammenhang dieser Muster mit Patientenmerkmalen, Behandlungsbedingungen sowie Therapieergebnis geprüft.

Ergebnisse der Studien sollen dazu beitragen, die psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten bei persistierenden körperlichen Beschwerden zu verbessern.

Promotionsprojekt "Auswirkungen von perinatalem Stress auf Neugeborene und Kleinkinder"

Tabea Send

In diesem Projekt wird der Einfluss früher Umwelteinflüsse auf Gesundheit und Krankheit beleuchtet. Unsere prospektive Studie widmet sich unter anderem der Frage, wie prä- und postnatale Belastungen zusammenhängen mit der Länge von Telomeren bei Neugeborenen und mit Cortisolspiegeln von Kinder im Vorschulalter. Die Ergebnisse der Dissertation sollen einen Beitrag zur Erforschung der Ätiologie psychischer Störungen liefern. Wenn die Ursachenzusammenhänge in der Entstehung psychischer Störungen besser verstanden sind, bietet dies perspektivisch mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Möglichkeiten für Präventions- und Therapieansätze.